Das Gegenbild AthensOb Platon ahnte, was er anrichtet? Wie die Idee der "Insel Atlantis" entstand und was der Philosoph bezweckte"Damals konnte man das atlantische Meer bereisen, denn vor dem
Eingang, den ihr Säulen des Herakles nennt, gab es eine Insel, die größer
war als Asien und Libyen zusammen", schrieb der griechische
Philosoph Platon in seinem Spätdialog "Timaios". Mit diesen Sätzen
beginnt vor fast 2400 Jahren die Geschichte eines Mythos, der noch immer
fasziniert. Gerade erst hat der Amerikaner Robert Sarmast behauptet, östlich von
Zypern die Reste von Atlantis "entdeckt" zu haben. Diese These
steht zwar im Gegensatz zu Platons Angaben, laut denen Atlantis von
Griechenland aus betrachtet jenseits der Säulen des Herakles lag, also
westlich der Meerenge von Gibraltar. Aber derlei hat Atlantis-Begeisterte
noch nie gestört. Auf dieser Insel, so fährt Platon fort, "entstand ein großes
und wundervolles Königreich, welches die ganze Insel beherrschte und
viele andere Inseln sowie über Gebiete diesseits der Säulen des
Herakles, von Libyen über Ägypten bis Tyrrhenien." Dieses Königreich
habe damals Athen angegriffen, sei aber besiegt worden. "Zu späterer
Zeit, als gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen geschahen, versank während
eines einzigen schrecklichen Tages die Insel Atlantis, indem sie ins
Meer versank. Dadurch ist dort auch das Meer unbefahrbar und
unerforschbar geworden, weil der in geringer Tiefe befindliche Schlamm,
den die untergehende Insel hervorbrachte, hinderlich ist." Das ist alles, was der Dialog "Timaios" über die
geheimnisvolle Insel verrät. Ausführlicher geht Platon im wohl danach
verfaßten, aber nur teilweise erhaltenen Dialog "Kritias" auf
Atlantis ein. Zunächst wiederholt der Philosoph die geographische
Beschreibung: Die Insel habe im Meer außerhalb der herakleiischen Säulen
gelegen, sei aber untergegangen. An ihrer einstigen Lage verhindere
heute undurchdringlicher Schlamm die Fahrt in den Atlantik. Dann geht Platon ins Detail: Rund um einen niedrigen Hügel habe
Poseidon abwechselnd Ringe von Meer und Land geschaffen, insgesamt fünf
mit gleichem Abstand. Hier siedelte Poseidon zehn seiner Söhne an. Später,
als die Nachkommen des Meeresgottes sich vermehrt hatten, schufen die
Bewohner von Atlantis Brücken über die drei Wasserringe zur
umliegenden Insel. Auf dem zentralen Hügel errichteten sie den Königspalast
und um ihn herum eine prächtige Stadt. Doch mit der Zeit entfernten
sich die Atlantis-Bewohner immer mehr von ihren göttlichen Wurzeln.
Zeus zürnte ihnen, weil er erkannte, daß all die Pracht, um die die übrige
Menschenwelt Atlantis bewunderte, schändlich war. Der Gottvater beschloß,
den Bewohnern von Atlantis eine Strafe aufzuerlegen, und berief die
Versammlung der Götter ein. An dieser Stelle endet die Überlieferung
im "Kritias". Wie Sarmast auf die Idee kommt, seine aus Sonaraufnahmen des
Meeresbodens erstellte Computersimulation entspreche "genau der
Beschreibung der Akropolis von Atlantis, wie sie Platon gegeben
hat", bleibt sein Geheimnis. Auf den ersten Blick nämlich erkennt
man, daß der langgestreckte Bergrücken mit den vorgelagerten,
parallelen Kanten rein gar nichts mit der ringförmigen Struktur zu tun
hat, die Poseidon einst schuf. Aber das ist eigentlich auch gar nicht wichtig. Viel interessanter
als die vielen Dutzend "Lokalisierungen" von Atlantis, sei es
östlich Zyperns oder in Friesland, sei es in Troia, der Antarktis oder
Amerika, ist nämlich eine andere Frage: Was wollte Platon eigentlich
sagen mit seinem Bericht von Atlantis? |
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