SUCH-EXPEDITION
Atlantis soll vor Zypern versunken
sein
Die Suche nach Atlantis hat Generationen von Wissenschaftlern,
Abenteurern und Phantasten beschäftigt. Ein US-Forscher ist nun überzeugt,
den sagenumwobenen Inselkontinent vor Zypern zu finden. Ende dieser
Woche soll seine Expedition beginnen.
"Wir glauben, dass unsere Entdeckung Zypern für immer in den
Mittelpunkt der Welt rücken wird", glaubt Robert Sarmast. Die
Insel im östlichen Mittelmeer stellt seiner Meinung nach nichts
Geringeres dar als die Spitze von Atlantis. Der Rest des von Mythen
umrankten Inselkontinents schlummere am Meeresboden, in etwa 1600 Metern
Tiefe.
Sarmast behauptet, mit Hilfe von Tiefseekarten und Hinweisen aus den
Texten Platons eine versunkene rechteckige Ebene gefunden zu haben, die
sich östlich von Zypern in Richtung Syrien erstreckt. Die Stelle, an
der Atlantis "versunken liegt und auf seine Entdeckung wartet",
befinde sich rund 112 Kilometer vor der zypriotischen Küste. Sie stimme
"nahezu perfekt" mit fast 50 Hinweisen aus Platons Atlantis-Beschreibung
überein.
Kühner Vergleich mit Troja und Babylon
Dass die meisten Wissenschaftler Atlantis für ein Phantasieprodukt
halten, stört Sarmast nach eigenem Bekunden wenig. Schließlich, so
argumentiert der Amerikaner auf seiner Internetseite, habe die archäologische
Fachwelt auch Troja für eine Legende gehalten, ehe der deutsche
Forscher Heinrich Schliemann die sagenumwobene Stadt entdeckt habe - und
zwar genau so, wie sie von den antiken Texten beschrieben worden sei. Ähnliches,
so Sarmast, treffe auf das alte Babylon zu, das bis zu seiner Entdeckung
ebenfalls als Mythos gegolten habe.
Die bisherigen Erkenntnisse zur Lage Atlantis' vor Zypern, die Karten
und die 3D-Modelle seien mit Hilfe modernster Verfahren entstanden und
genügten strengen wissenschaftlichen Kriterien. Auch den Verdacht, er
benutze seine Expedition lediglich zur Werbung für sein jüngst
erschienenes Atlantis-Buch, weist Sarmast von sich: Das Buch sei nicht
von Anfang an geplant gewesen und stelle lediglich den Versuch dar, die
bisherigen Ergebnisse in traditioneller Weise zu veröffentlichen.
"Es gibt einfachere Wege, Geld zu verdienen", betonte der
Forscher.
Suche auf der ganzen Welt
Das Geheimnis von Atlantis beschäftigt Wissenschaftler und Abenteurer
schon seit Jahrhunderten. In Platons um 360 vor Christus verfassten
Altersdialogen "Timaios" und "Kritias" liegt der
Inselkontinent "außerhalb der Meerenge" vor den "Säulen
des Herakles" - was von vielen Atlantis-Suchern als Gibraltar
gedeutet wurde.
Neuere geophysikalische Untersuchungen ergaben jedoch, dass ein
derartiger Inselkontinent - zumindest seit es Menschen gibt - im
Atlantik nicht existiert haben kann. Atlantis, schrieb Platon, habe 9000
Jahre vor seiner Zeit existiert und sei durch ein Erdbeben binnen eines
Tages versunken.
Der Inselkontinent mit den Abkömmlingen der Götter wurde seit der
griechischen Antike an allen möglichen Stellen auf dem Globus vermutet
- etwa in der Ägäis, vor den britischen Inseln, in der Türkei, in
Spanien, der Bretagne, nahe Helgoland oder gar in der Südchinesischen
See. Eine andere Theorie besagt, dass Atlantis mitnichten versunken,
sondern mit der Mittelmeerinsel Kreta identisch sei, die zur Zeit der
Minoer von einem gewaltigen Vulkanausbruch auf der Nachbarinsel Santorin
verwüstet wurde.
Ob Sarmast endlich Atlantis finden und den Diskussionen ein Ende setzen
wird, bleibt abzuwarten. Wie er mit den Medien spielt, weiß der
Amerikaner jedoch schon heute. Am Freitag will er den Start seiner
Expedition und Zyperns Aufnahme in die Europäische Union mit einer
symbolischen Geste ehren: "Um Mitternacht werden wir eine
versiegelte Kapsel auf den Meeresgrund schicken", sagte Sarmast.
"Sie enthält eine Flagge Zyperns, eine Flagge der EU und eine mit
dem Symbol von Atlantis."
Markus Becker
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