Forscher will Atlantis entdeckt haben

15th Nov 2004

Ein US-Architekt will Atlantis vor der Küste Zyperns gefunden haben. Sonar-Messungen hätten auf dem Meeresboden in 1500 Meter Tiefe Mauern und Gräben erkennen lassen. Die Strukturen ähnelten verblüffend Platons antiker Beschreibung der sagenumwobenen Stadt.

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Limassol - "Wir haben definitiv die Akropolis von Atlantis gefunden", sagte US-Forscher Robert Sarmast bei einer Pressekonferenz in Limassol auf Zypern. Atlantis soll demnach auf einem rechteckigen Plateau gelegen haben, das vor rund 11.000 Jahren versunken sei und heute rund eineinhalb Kilometer unter der Meeresoberfläche zwischen Zypern und Syrien liege. Auf Sonarbildern seien ein großer Hügel, Gräben und Wälle zu erkennen. Eine der Mauern erstrecke sich über eine Länge von drei Kilometern.

Sarmast glaubt in seinem Fund genau das Atlantis zu erkennen, das der antike Philosoph Platon beschrieben hat - und das die meisten seriösen Wissenschaftler eher für eine politisch motivierte Utopie als für die Beschreibung eines realen Ortes halten. Sarmast aber gibt sich unbeirrt: "Es ist ein Wunder, dass wir diese Mauern gefunden haben, deren Lage und Länge genau der Beschreibung der Akropolis von Atlantis entsprechen, wie sie Platon in seinen Schriften gegeben hat."

Der Chef der Archäologiebehörde Zyperns, Pavlos Flourentzos, reagierte skeptisch: "Es sind mehr Beweise erforderlich", sagte er der Nachrichtenagentur AP. Der 28-jährige Sarmast, ein Architekt aus Los Angeles, sucht seit zweieinhalb Jahren nach der legendären Stadt. Er könne zurzeit noch keine handfesten Beweise für seine Entdeckung wie Mauersteine, Mörtel und andere Gegenstände vorlegen, da diese unter mehreren Metern Sediment begraben seien. "Aber die Indizien sind nicht von der Hand zu weisen."

Dass die meisten Wissenschaftler Atlantis für ein Phantasieprodukt halten, stört Sarmast nach eigenem Bekunden wenig. Schließlich, so argumentiert der Amerikaner auf seiner Internetseite, habe die archäologische Fachwelt auch Troja für eine Legende gehalten, ehe Heinrich Schliemann die sagenumwobene Stadt entdeckt hat - und zwar genau so, wie sie in den antiken Texten beschrieben gewesen sei. Ähnliches, so Sarmast, treffe auf das alte Babylon zu, das bis zu seiner Entdeckung ebenfalls als Mythos gegolten hat.

Den Verdacht, er betreibe lediglich Werbung für sein vor einigen Monaten erschienenes Atlantis-Buch, weist Sarmast von sich: Das Buch sei nicht von Anfang an geplant gewesen und stelle lediglich den Versuch dar, die bisherigen Ergebnisse in traditioneller Weise zu veröffentlichen.

In Platons um 360 vor Christus verfassten Altersdialogen "Timaios" und "Kritias" liegt Atlantis im "westlichen Meer", "außerhalb der Meerenge" und vor den "Säulen des Herakles" - was von vielen Atlantis-Suchern als Hinweis auf einen Ort im Atlantik vor Gibraltar gedeutet wurde. Neuere geophysikalische Untersuchungen ergaben jedoch, dass eine derartige Landmasse - zumindest seit es Menschen gibt - im Atlantik nicht existiert haben kann. Atlantis, schrieb Platon, habe 9000 Jahre vor seiner Zeit existiert und sei durch ein Erdbeben binnen eines Tages versunken.

Der Inselkontinent mit den Abkömmlingen der Götter wurde seit der griechischen Antike an allen möglichen Stellen auf dem Globus vermutet - etwa in der Ägäis, vor den britischen Inseln, in der Türkei, in Spanien, der Bretagne, nahe Helgoland oder gar in der Südchinesischen See. Eine andere Theorie besagt, dass Atlantis mitnichten versunken, sondern mit der Mittelmeerinsel Kreta identisch sei, die zur Zeit der Minoer von einem gewaltigen Vulkanausbruch auf der Nachbarinsel Santorin verwüstet wurde.

Archäologiebehörden-Chef Flourentzos hält es trotz aller Skepsis zumindest für möglich, dass Sarmast Atlantis gefunden haben könnte. Auch andere antike Städte und Zivilisationen im Mittelmeerraum, wie etwa die minoische Kultur, seien durch große Vulkanausbrüche und Erdbeben untergegangen. "Nach allem, was wir wissen", sagte der Archäologe, "könnte Atlantis auch in unserer Region existiert haben."

 


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